Artikel in der AZ/LIZ zur 10'000. Kastration

Daniel Diriwächter hat einen Beitrag über die Stiftung, Brigitte Post und die 10'000. Kastration in der AZ/Limmattaler Zeitung veröffentlicht. Ganzer Artikel als PDF

 

IHR KAMPF GEHT IN BRUGG WEITER

Die Stiftung Tierbotschafter ist von Birmensdorf nach Brugg gezogen, deren Präsidentin Brigitte Post bleibt dem Limmattal aber verbunden.

Ein bewegtes Jahr liegt hinter der Stiftung Tierbotschatfer.ch und deren Präsidentin Brigitte Post. Ein Jahr, das mit einem Meilenstein endete: Wie die Tierschutzorganisation diese Woche bekanntgab, konnte seit der Gründung 2012 bis Ende Dezember die 10‘000ste Kastration gezählt werden. Dahinter stehen engagierte Projekte und mutige Persönlichkeiten in Ländern wie Marokko und Rumänien, die von der Stiftung unterstützt werden. „Das ist ein grosser Fortschritt“, sagt Post.

Für die Stiftung selbst gab es im Herbst einen grossen Wandel. Waren die Tierbotschafter bislang in Birmensdorf beheimatet, sind sie es neu in Brugg. Im sogenannten „Papageienblock“ fand Post neue Räumlichkeiten. „Es waren verschiedenen Gründe, die schliesslich zum Umzug führten, zumal ich in Brugg bereits ein Atelier habe“, sagt Post, die auch als Seidenkünstlerin arbeitet und eine Agentur für PR, Kommunikation und Marketing führt. „Obwohl ich hier sehr glücklich bin, werde ich dem Limmattal immer sehr verbunden bleiben“, fügt sie an. 

Aber egal ob Birmensdorf oder Brugg, auf die Aufgaben der Stiftung hat dies keinen Einfluss. Ihr Ziel ist die finanzielle Unterstützung von Tierschutzprojekten, welche von Einzelpersonen oder Miko-Organisationen ins Leben gerufen wurden. Besonders im Fokus: Das Impfen und Kastrieren von streunenden Hunden und Katzen. „Die Unfruchtbarmachung verhindert immer  weiteres Tierleid“, sagt Post. Die hohe Zahl der Kastrationen war im 2019 nicht der einzige Durchbruch für Post und ihr kleines Team, bestehend aus der Vizepräsidentin Magda Muhmenthaler und der Stiftungsrätin und Tierärztin Dr. med. vet. Stephanie Ruge.

Hilfeschrei und Lichtblick aus Agadir

Das letzte Jahr begann allerdings mit einem Hilfeschrei aus dem marokkanischen Agadir. Die Tierbotschafter finanzieren dort ein Programm der Tierschutz-Organisation Le Coeur sur la Platte (LCSLP), welche streunende Hunde und Katzen kastriert und gegen Tollwut impft. Ein Vorhaben, das auch die Stadt unterstützte, bis Politiker auf regionaler Ebene die „Säuberung“ der Strassen anordneten und begannen, die Hunde zu töten – auch jene, die bereits kastriert wurden. „Das war nach all den Anstrengungen ein Schock und bislang hat sich in Agadir nichts geändert“, sagt Post. Man könne jetzt nur abwarten und hoffen, die Behörden haben ein Einsehen.

„Es sind die kleinen Erfolge, die wieder Mut machen, um weiterzukämpfen“. Ende Jahr konnte tatsächlich eine erfreuliche Nachricht aus Agadir vermeldet werden: Das Kastrationsprogramm „J’aime les Chats de mon Quartier“ von LCSLP konnte dank finanzieller Hilfe nach eineinhalb Jahren wieder aufgenommen werden. „Eine Kastration kostet umgerechnet 40 Franken und wir übernehmen 30 Franken“, sagt Post. Die kastrierten Katzen tragen, ähnlich wie die Hunde, nachher eine Markierung am Ohr.

Eine Frau, die in Agadir massgeblich an den Tierschutzprogrammen beteiligt ist, ist Michèle Augsburger. Deren Liebe zu Tieren ist gross: Neben der Arbeit für die Projekte gibt sie auf ihrer Farm vielen Hunden und Katzen ein Zuhause. Aber auch Esel und Maultiere finden dort Unterschlupf. „Ist man bei Michèle zu Besuch, ist es wie im Paradies“, sagt Post, die grosse Bewunderung für die Schweizerin mit Berber Wurzeln hegt. „Aber der Umgang mit den Hunden auf den Strassen von Agadir ist schrecklich.“

Unfruchtbarkeit verhindert Tierleid

In jedem der rund 15 von den Tierbotschaftern unterstützten Projekte stecke viel Herzblut, hält Post fest. Darunter gehört auch jenes von Heike Thermann, die im thailändischen Bang Saphan gemeinsam mit ihrem Team Kastrationen für Streuner durchführt. „Heike konnte im November die 4000ste Kastration durchführen, das ist eine grossartige Leistung“, sagt Post. Eine junge Hündin aus einem buddhistischen Tempel markierte diese Zahl. Thermann ist zudem auf Facebook überaus aktiv und lädt immer wieder Fotos ihrer Arbeit auf das soziale Netzwerk hoch und erreicht so viele Menschen für ihr Anliegen.

In Rumänien sind Kastrationen ebenso ein Thema, auch für sogenannte Besitzertiere. „Gerade die nicht kastrierten Hunde, die einen Besitzer haben, sind der Beginn der Streunerproblematik, weswegen wir die Bevölkerung miteinbeziehen. Diese lieben ihre Vierbeiner, doch das Geld für eine Behandlung fehlt.“ Das Projekt wird von einer lokalen, sehr engagierten Tierärztin umgesetzt und durch die Schweizerin Nadine Moser geleitet. Bis Ende letzten Jahres wurden dank ihrem Engagement fast 700 Hunde kastriert. „Die lokale Behörde unterstützt ihre Arbeit und die Tatsache, dass so ein Umdenken stattfinden kann, macht uns glücklich und zuversichtlich, auch wenn es nur ein kleiner Ort ist.“

Starke Frauen und ihre Tiere

„Ich bin im Tierschutz schon vielen starke Frauen begegnet“, sagt Post. So auch im letzten Sommer, als sie auf die Filmemacherin Brigitte Uttar Kornetzky traf. Diese kümmert sich um versehrte Elefanten im Norden Indiens. Im Smiling Tusker Elephant Camp (STC) in Assam finden die Dickhäuter Asyl. Sie wurden vorher für harte Arbeit und für Touristenzwecke missbraucht. Uttar Kornetzky wird nun auch von den Tierbotschaftern unterstützt. „Sie ist eine aussergewöhnliche Frau, die auf allen Ebenen für die Elefanten kämpft.“ Dazu gehört auch ihr Dokumentarfilm „Where the Elefants sleeps“, der Einblicke in das schwierige Leben der Elefanten im Elefantendorf Hathigaon gibt. „Es benötigt starke Nerven, den Film zu sehen“, sagt Post.

Nerven, die die Präsidentin auch weiterhin benötigt. Während das eine Projekt erfolgreich ist, kippe das andere aufgrund von Rahmenbedingungen, wie Post erklärt. Das Generieren von Spenden sei eine weitere Herausforderung. Obwohl die Tierbotschafter den Jahresbericht 2019 noch nicht offiziell veröffentlichten, seien die Spenden rückläufig. 2018 konnten 192‘000 Franken eingenommen werden, dieser Betrag werde nicht wieder erreicht. Davon lässt sich Post aber nicht beirren und wird ihre ehrenamtliche Tätigkeit für die von ihr gegründete Stiftung weiter vorantreiben.

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